Internationale Friedensschule Bremen

- Ort der Begegnungen der Generationen und Kulturen -




Zurück




Initiative für eine öffentliche Ehrung von
Rudolf Jacobs in seiner Heimatstadt Bremen

         Rudolf Jacobs       
    *  26.7.1914 in Bremen    +  3.11.1944 in Sarzana/Italien


Eine Nachbetrachtung
zum  ARCHIV-Gespräch der Friedensschule im 'BAMBERGER-Saal'
in Bremen  am 9. Juni 09

Im Begleitprogramm zur Ausstellung Rudolf Jacobs - „Was damals Recht war...“, Soldaten und Zivilisten vor den Gerichten der Wehrmacht -

referierte Gerd Meyer vom Projekt 'Internationale Friedensschule Bremen' am 9. Juni 09 über die Lebensgeschichte des gebürtigen Bremers Rudolf Jacobs als Seemann, Ingenieur, Marineoffizier und als Deserteur und Partisan in Italien.



In Italien wurde Rudolf Jacobs nach 1945 vielfach geehrt, in Bremen ist er weitgehend unbekannt geblieben.

Rudolf Jacobs entstammt einer bekannten Bremer Architektenfamilie. Nach dem Abitur und einer Ausbildung als Seemann Anfang der 30er-Jahre studierte Jacobs Bauwesen und Architektur in Bremen, Hannover und Braunschweig. Nach einem Einsatz als Ingenieur beim Festungsbau im Elsass (Organisation Todt), wo er jüdischen Kollegen zur Flucht nach Frankreich verhalf, wurde Rudolf Jacobs zur Kriegsmarine eingezogen und am  25. Sept. 1943 als verantwortlicher Marineoffizier (Kapitänleutnant) für den Festungsbau in die Hafenstadt La Spezia/Italien abkommandiert.

Die von deutschen Besatzungstruppen begangenen Kriegsverbrechen an der italienischen Zivilbevölkerung veranlaßten Jacobs im Herbst 1944, sich den italienischen Partisanen in der Garibaldi-Brigade 'Ugo Muccini' in der Region Sarzana anzuschließen. Am 3. November 1944 wurde Rudolf Jacobs beim Angriff gegen eine Kaserne der italienischer Faschisten im Zentrum der Stadt Sarzana getötet.

Die Gemeinde Sarzana ehrte Rudolf Jacobs nach dem Krieg posthum mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft und brachte am Ort seines Todes, dem zentralen Platz der Stadt, eine Ehrentafel an. Auf dem Friedhof in Sarzana wird sein Ehrengrab gepflegt. Anläßlich des Todestages von Rudolf Jacobs findet in Sarzana jährlich im Nov., unter großer öffentlicher Teilnahme und der Mitwirkung von Schulklassen, eine Gedenkveranstaltung statt. Das italienische Verteidigungsministerium verlieh Jacobs am 24. Juni 1972 die Silbermedaille des Verdienstordens.

2003 wurde in der Stadt Parma eine Straße nach Jacobs benannt. Der Bürgermeister der Stadt hatte den Bremer Bürgermeister, Dr. Henning Scherf, zur Teilnahme an der Veranstaltung  nach Parma eingeladen. Die Familie Jacobs war seit Ende der 50er-Jahre mehrmals Gast der Gemeinde Sarzana.

In Bremen ist Rudolf Jacobs, der Beschützer der italienischen Zivilbevölkerung  im Raum La Spezia/Sarzana, trotz der jahrelangen Bemühungen der Friedensschule, bisher weitgehend unbekannt geblieben. Doch im März 2007 wurde in Brüssel die Jacobs-Dokumentation des italienischen Autors/Regisseurs Luigi M. Faccini von der EU-Abgeordneten Marta Vincenzi in der Reihe 'Die kleinen Väter Europas' vorgestellt. An der Veranstaltung nahmen auch die deutschen Abgeordneten Martin Schulz/Vs.SPD-Fraktion und Karin Jöns/MdEP,Bremen teil.

Schon 1984 hatte das ital. Fernsehen (RAI 1) die  90 minütige Filmdokumentation 'Il Tradimento?' (Der Verrat) des Regisseurs A. Giannarelli gezeigt, und in der Presse  gab es über den 'Käpitänleutnant, Deserteur und Partisanen' Rudolf Jacobs (Die Zeit u.a.) mehrere Beiträge. Vielen Menschen in Italien ist sein Name und sein Schicksal bekannt. In Wohnungen italienischer Familien in der Region La Spezia sind Bilder oder Fotos von Rudolf Jacobs zu finden. Mitglieder der Friedensschule haben seit 1986 vielfältige Formen der Dokumentation  und Öffentlichkeitsarbeit genutzt, um auf das Leben und Wirken von Rudolf Jacobs  öffentlich aufmerksam zu machen.

Gespräche mit Zeitzeugen und Historikern in La Spezia,Lerici, Sarzana und Marzabotto
Gespräche mit Angehörigen der Familie Jacobs in Deutschland
Einweihung des 'Casa Marzabotto' mit Vertretern der Gemeinden aus Marzabotto und Sarzana (Dante Cruicchi, Paolo Ranieri ) und Bremens (Hans Koschnick)
Berichte im 'Freundeskreis Marzabotto' im Bürgerhaus Vegesack
Berichte vor Campteilteilnehmern in Marzabotto und Bremen
Teilnahme an Gedenkfeiern in Sarzana und Marzabotto
Presserichte: WESER-KURIER u.a.
Fernsehberichte: zuletzt eine DoKu im Jahr 2005 von Buten & Binnen aus Sarzana
Ausstellung 'Rudolf Jacobs – ein Sohn dieser Stadt'
ARCHIV-Gespräche in Bremen (u.a. im Juni 09 im BAMBERGER-Haus in Bremen)



Wir sind der Ansicht, daß das menschliche Verhalten dieses Bremer Bürgers,während der deutschen Besetzung Italiens im 2. Weltkrieg gegenüber der italienischen Zivilbevölkerung, auch in Bremen öffentlich gewürdigt werden sollte.

Die italienische Partnergemeinde Vegesacks, Marzabotto, liegt in der Nachbarschaft von Sarzana und den Hafenstädten La Spezia und Lerici. Die ehemaligen Bürgermeister, Dante Cruicchi in Marzabotto  und Hans Koschnick in Bremen, machten die Teilnehmer der Friedenscamps in Marzabotto und Bremen Mitte der 80er-Jahre  auf das Schicksal des Bremers Rudolf Jacobs aufmerksam.

1989 fuhren  Mitglieder der Friedensschule mit dem in Hamburg lebenden Sohn, Rudolf Jacobs jr.,nach La Spezia, Lerici und Sarzana, und interviewten dort Zeitzeugen 'vor Ort'. Mit der Hilfe von Rudolf Jacobs jr. und in Italien und Deutschland lebenden Historikern und Zeitzeugen wurden Lebensdaten von Rudolf Jacobs geklärt. Schließlich  konnte 1990 im Bürgerhaus Vegesack die Ausstellung „Rudolf Jacobs - Ein Sohn dieser Stadt“ eröffnet werden. Bei der Eröffnung der Ausstellung, und der Einweihung des 'Casa Marzabotto' auf dem damaligen Gelände der Jugendbildungsstätte 'LidiceHaus' in Bremen/Skt. Magnus, waren auch die Bürgermeister und weitere offizielle Vertreter aus den  Gemeinden Marzabotto und Sarzana anwesend.

In Verbindung mit dem Mahnmal des 'Unbekannten Deserteurs', das seit 1986 im Foyer des G.H. Bürgerhauses steht und das damals für heftige öffentliche Reaktionen sorgte, sowie im Zusammenhang der 2009 im Bremer Rathaus gezeigten Ausstellung
    'Was damals Recht war ..' - Soldaten und Zivilisten vor Gerichten der Wehrmacht -

erscheint den Mitarbeitern der Friedensschule die öffentliche Auseinandersetzung in Bremen mit der Lebensgeschichte von Rudolf Jacobs wichtig. Marta Vincenci und weitere italienische EU-Abgeordnete sehen in Rudolf Jacobs eine positive Leitfigur für die gemeinsame europäische Kulturgeschichte und Identität. Jacobs gehört für sie zu dem Kreis der 'Väter und Mütter Europas'

Die Mitarbeiter der Friedensschule hoffen, daß sich Lehrer und Schüler auf die 'Spurensuche' begeben, um sich mit dem Leben und den Motiven dieses menschlich handelnden Bremer Bürgers  auseinanderzusetzen.

Wir sind der Ansicht, daß die Stadtgemeinde Bremen eine öffentliche Ehrung für Rudolf Jacobs vornehmen sollte, indem eine öffentliche Namensgebung beschlossen wird. Zu  einer entsprechenden Veranstaltung sollten die Familie Jacobs und Vertreter der betroffenen  italienischen Gemeinden eingeladen werden.

Projekt 'Internationale Friedensschule Bremen
im G.H. Bürgerhaus Vegesack

Bremen, den 9. Dez. 09

nach oben